Akklimatisierung am Kanchenjunga
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In den letzten Tagen sind wir von 3500m auf 4650m aufgestiegen und nach drei Tagen wieder nach Ghunsa zurückgekehrt. Wir haben aufs Kantsch Basislager zugunsten guter Bilder und unserer Energieressourcen verzichtet. Zunächst ging es durch Wälder weiter bergauf über verlassene Hochalmen. Begleitet hat uns stets ein ermüdender, kalter Talaufwind. In Kangpachen (4050m), unserem ersten Lager, stellten wir das erste Mal unsere Zelte auf.

Die Jungs trieben innerhalb von Minuten Feuerholz und Kartoffeln auf, die wir am Feuer rösteten. Um 15:30Uhr war leider auch dort Schluss mit Sonne und das Thermometer sank innerhalb von Minuten auf -8°C , später auf -15°C. Wir verkrochen uns nach einem Dal Bhat mit kalten Füßen um 18:30Uhr ins Zelt. Ich konnte auf Grund der Höhe überhaupt nicht schlafen und wälzte mich von einer Seite zur anderen. Eine fürchterliche, aber mir in der Akklimatisierungsphase nicht unbekannte Art, die Nacht zu verbringen.

Irgendwie ging auch diese sehr lange Nacht um. Der Morgen war eisig, erst um 8:15 Uhr kam die warme Sonne hinter den 6000ern hervor. Ich war entsprechend der Nacht matschig drauf und brauchte einige Zeit, um in Gang zu kommen. Die gefrorenen Stiefel wärme ich jetzt immer mit einer Wasserflasche vor und lege mir dann noch Wärmepads ein (die hatten wir noch von der Everest Expedition 2015).

Nach einem Tsampa Frühstück stiegen wir am 09.01.2017 weiter das Tal hinauf. Knall blauer Himmel, geniale Aussicht auf den 7800m hohen Kangbachen, aber starker Wind. Nach guten vier Stunden entschied ich zu stoppen. Noch weiter rauf würde mich, da ich noch immer mit der Akklimatisierung zu kämpfen hatte, zu viele Körner kosten. Ich habe ja noch eine Kleinigkeit vor mir, also lieber jetzt Energie sparen…

Sehr, sehr häufig muss daran denken, was mir noch bevorsteht und worauf ich mich da eingelassen habe. Bin ich dem wirklich gewachsen? Die Kälte und der Wind sind in der Realität doch einfach viel bösartiger als in der Vorstellung. Glücklicherweise gibt es aber auch jeden Tag einige Momente, in denen ich das Ganze genieße und mir sage: „Deswegen bist du hier!“ Und noch bin ich ja am Anfang. Da wird noch Einiges kommen.

Der Anfang war holprig. Erkältung, das Sat-Modem funktionierte nicht, usw. Ich glaube das bedeutet, dass ich am Ende vielleicht doch weniger Probleme haben werde und es schaffen kann. Auf der anderen Seite gibt es auch schon die Momente, wo ich mich nach meiner Familie sehne und mich frage, wieso ich hier und nicht bei denen bin. Ganz sicher werde ich nicht übertreiben und rechtzeitig abbrechen, das sage ich mir in diesen Momenten immer wieder. Glücklicherweise ist es aber noch weit weg davon und ich habe es mir schließlich ja auch so ausgesucht. Ein bisschen wehtun muss so ein Winterprojekt!

Morgen verlässt uns Nils und der Sherpa Darinji. Er konnte in den letzten Tagen noch richtig gute Bilder machen und es war eine große Hilfe, ein solches Projekt mit freundschaftlicher Unterstützung zu beginnen. Da unser Modem ausgefallen ist, ist es nochmal doppelt und dreifach gut, dass Nils die erste Phase mit dabei war. So kann er schon einen großen Schwung Bildmaterial mit nach Kathmandu und Deutschland bringen.

Ich werde mich wohl erst aus Namche Bazar wieder melden können. Bis dahin heißt es Daumen drücken und Hände warm halten.

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