Ausgeflogen
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Ich habe mit fast allem gerechnet, aber damit nicht! Ich hatte mich auf bittere Kälte, plötzliche Schnee-Einbrüche, Erfrierungen, Verletzungen und mentale Durchhänger eingestellt, aber nicht auf ein Knock-Out durch Durchfall! Um kurz vor Mitternacht fing es an. Morgens war ich bereits sechs Mal draußen. Ein langer und steiniger Weg zum Plumpsklo hinterm Haus. Gegen Mittag hatte ich die maximal empfohlene Tagesdosis Lopos (ein Standard-Medikament gegen Durchfall) genommen. Ohne Erfolg.

Nach einer zweiten Nacht ohne Besserung, aber viel Flüssigkeitsverlust, blieb nur eine Entscheidung: Heli rufen und raus! Pemba teilte meine Auffassung, dass eine Erholung hier nicht möglich ist, weil wir weder die richtige Medizin, noch die richtigen Lebensmittel haben. Über den vor uns liegenden, über 5000m hohen Lumbha Sambha Pass, würde ich frühestens in fünf Tagen kommen. Der Weg zurück würde vier Tage dauern und uns alle aus der Route bzw. dem Projekt werfen.

Die Crew und ich waren uns einig, dass mein Ausscheiden nicht das Projektende bedeuten darf. Die Jungs waren und sind höllenmotiviert, den Trek auch ohne mich fortzusetzen. Ich finde das klasse, denn es geht ja darum, den wieder einmal sehr trockenen Winter zu nutzen, um einen möglichst großen Teil des Great Himalaya Trail im Winter zu begehen. Dazu braucht es mich nicht zwangsweise. Zumal Pemba bis jetzt hervorragende Kameraarbeit geleistet hat und den Trek weiter dokumentieren wird.

Natürlich bin ich trotzdem enttäuscht, aber mich zu beklagen hilft nichts. Der Everest-Heli landete um 14:15 Uhr in Olongchun. Das ganze Dorf war auf den Beinen, zweifellos das Highlight des Monats! Die zwei Piloten brachten in mehreren Kanistern den Sprit für den Rückflug gleich mit und befüllten den Heli mit einem modifizierten Trichter direkt am Landeplatz wieder.

Ich riss mich den ganzen Tag zusammen. Der Zwang auf Toilette zu gehen hatte glücklicherweise aufgehört, aber ich war weit im dunkelgelben Bereich. Entsprechend wenig konnte ich diesen Flug genießen. Immerhin flogen wir an fünf Achttausendern vorbei und hatten ziemlich gute Sicht. Knochentrocken war es überall. Noch am Helipad bestätigte mir ein Bewohner Olongchuns, dass sie seit mehreren Jahren unter diesen trockenen Wintern leiden. Vor allem für die Yakwirtschaft sei das ein Problem, da die Weiden im Frühjahr nicht mehr saftig genug wären.

Ich wollte einfach nur ankommen und eine Diagnose und die richtigen Medikamente bekommen. Mich ausruhen. Nach nur knapp eineinhalb Stunden Flugzeit (Hammerzeit von Ostnepal!) und einer weiteren Stunde vom Flughafen ins Krankenhaus (keine Hammerzeit!) war ich fix und fertig, aber auch absolut am richtigen Ort. Freundliche Schwestern, eine gute Ärztin, Einzelzimmer, Tropf, Toast, Bananen, Joghurt und Apfelsaft… Ich schlief ziemlich schnell ein. Alle vier Stunden wurde ich kontrolliert. Die Damen waren sehr zufrieden mit mir und so durfte ich am nächsten morgen dann auch gleich vom Tropf los und in ein Hotel umziehen. Hier realisierte ich langsam, was los war.

Ich hatte eine doppelte Infektion: Zum einen bakteriell, wohl durch Lebensmittel (das Schwein), zum anderen eine Parasitenbefall (keine Ahnung woher). Ich bin schlapp, ich bin aus dem GHWT-Projekt raus, ich bin in Kathmandu… Ich musste mich sammeln, zu Kräften kommen und dann besonnen entscheiden, wie es weiter geht. Die Antibiotika wirkten glücklicherweise schnell…

5 Kommentare

03.02.2017

Gute Genesung


03.02.2017

Tut mir sehr leid für Dich! Gute Besserung!!


03.02.2017

Ohaa das tut mir leid 🙁 Gute Besserung 🍀


04.02.2017

HALLO HANNES , ALLES GUTE ! WIR DENKEN AN DICH.


05.02.2017

Wirklich sehr schade. Solche Entscheidungen ( Abruch ) fällt natürlich extrem schwer. Aber die Gesundheiz geht vor. Gute Erholung.

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