STORY
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Die Idee, eine Winterdurchquerung des nepalesischen Himalaya zu Fuß und ohne Hilfsmittel zu versuchen, ist 2010 entstanden. Sie wuchs während meiner Expeditionen in den letzten sechs Jahren und hat sich im Erdbebenjahr 2015 endlich konkretisiert, da ich Pemba Jangbu kennenlernte und in ihm den richtigen Partner fand.

Es gibt für mich drei wesentliche Punkte, die mich zu diesem Projekt motivieren:

  1. Untersuchung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Wegenutzung und die Folgen für die im Hochgebirge siedelnden Menschen
  2. Die Entwicklung der nepalesisch-deutschen Freundschaft zwischen Pemba und mir. Intensivierung meiner persönlichen Beziehung zu Nepal
  3. Das extreme Abenteuer und die Herausforderung

Klimawandel

Im Rahmen meiner Forschungsarbeiten im Himalaya bekam ich von Einheimischen immer wieder zu hören, dass sich die Niederschläge stark verändert haben. Die Winter seien trockener als früher. Manchmal blieben Niederschläge sogar komplett aus.

Konnte man in früheren Zeiten noch von einem pünktlichen Einsetzen des Sommermonsuns im Juni und einer anschließenden Trockenphase (der Trekking-Hauptsaison im Oktober und November) rechnen, zeigt sich heute ein viel weniger zyklisches Bild. Die ehemals im Winter häufigen, feuchten Westausläufer brachten bereits Ende November die ersten Winterniederschläge in Form von Schnee. Der Schnee blieb zumeist aufgrund der niedrigen Temperaturen liegen und mehrte sich durch weitere Niederschläge, so dass viele der hohen Pässe ab November nicht mehr gequert wurden.

Dieses Bild hat sich ganz offensichtlich verändert. Die Aussagen zahlreicher Einheimischer sind nun auch meteorologisch durch Statistiken belegt (vgl. Miehe 2016). Konkrete Fragen, auf die ich antworten finden möchte, lauten: Wie wirkt sich die Klimawandel auf die Wegenutzung und saisonale Wirtschaft aus? Wie gehen die betroffenen Menschen mit den Folgen um? Was bedeutet das für Landwirtschaft und Tourismus?

Freundschaft

Das Miterleben des tragischen Erdbebens vom 25. April 2015 in Nepal veränderte meine Perspektive auf das Reisen und meinen Ansatz, Reisen durchzuführen, nachhaltig. War ich bis dahin als Hochgebirgsgeomorphologe mit einer Faszination fürs Bergsteigen primär mit einem Fokus auf die Natur in den Himalaya gefahren, interessiert mich seitdem nun vor allem das Leben der Menschen.

story-freundschaft

Mit Pemba Jangbu Sherpa, unserem Sirdar bei der Mt. Everest Expedition 2015, lernte ich einen Sherpa kennen, der mir auf Augenhöhe begegnete und der mich aufgrund seiner direkten und ungezwungenen Art sowie seiner Kompetenz und emotionalen Offenheit faszinierte. Noch während der Expedition verabredeten wir uns auf ein erneutes Treffen. Ich wollte ihn unbedingt besuchen und mit ihm zusammen auf einer Wanderung in sein Heimatdorf die Folgen des Erdbebens mit eigenen Augen sehen und begreifen. Wenige Monate nach dem Expeditionsabbruch trafen wir uns dazu wieder.

Während dieser intensiven Zeit, die wir zum Teil auch mit seiner Familie verbrachten, berichtete ich ihm von meiner Idee für den “Great Himalaya Winter Trail”. Wir verabredeten sofort, es schon diesen Winter zu versuchen. Unsere beidseitigen Rollen als Familienväter und Unternehmer verband uns. Wir redeten offen über unsere Ängste und Wünsche. Viele Gemeinsamkeiten einen uns, trotz unserer sehr unterschiedlichen Herkunft. Wir können beide voneinander lernen. Wir sind ein uns gegenseitig bestärkendes Team. Freunde.

Die Herausforderung

Bis heute ist mir keine Winterdurchquerung von Ostnepal auf der geplanten Route bekannt. Die Bedingungen kann man am besten als eine Mischung von Polar- und Bergexpedition beschreiben. Wir werden physisch und psychisch an unsere Grenzen kommen. Die Route ist ambitioniert und stellenweise extrem abgelegen. Alles steht und fällt mit der Menge an Schnee.

Es bleibt trotz langem Training, bester Planung und Ausrüstung und unserer geballten Erfahrung schlussendlich ein Glücksspiel. Die ständige Kälte wird an uns nagen. Auch werden wir den täglichen Energiebedarf von 8.000-10.000 Kilokalorien kaum decken können. Wir werden also körperlich kontinuierlich abbauen. Hygiene und Privatsphäre werden extrem eingeschränkt sein. Und zu guter Letzt müssen wir noch arbeiten: Filmen, fotografieren, bloggen sowie Wetter- und Streckendaten erheben. Mich persönlich reizt diese Herausforderung. Pemba meint: “Thats basically always my job – the game!” Werden wir es schaffen? Wie weit werden wir es schaffen?