Training und Vorbereitung für die Expedition
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Sehr häufig werde ich gefragt, wie ich mich auf eine Expedition vorbereite. Ich sage dann immer, dass ich mich nicht als Athlet oder guten Bergsteiger sehe und Training deswegen nicht die höchste Priorität hat. Ich bin Abenteurer und ich bin ehrgeizig, aber auch realistisch. Über extreme körperliche Leistung kann und will ich mich nicht definieren. Mir geht es um Inhalte. Manchmal muss man sich aber außergewöhnlich anstrengen um an Inhalte, die einen interessieren, heran zu kommen. Damit mir das gelingt, bereite ich mich systematisch vor. Das ganze Jahr über, nicht nur im Vorfeld einer Expedition.

Mein Lieblingssport ist Trailrunning und ich habe um meinen Heimatort Göttingen herum ein herrliches Revier, wo ich unendliche Variationen direkt von meiner Haustür aus laufen kann. Ich schaue auch, dass ich immer ein paar hundert Höhenmeter einbaue. Ich wechsel zwischen kürzeren und schnelleren Läufen mit längeren Einheiten bis zu 30km. Das ist hervorragendes Ausdauertraining. Technisch anspruchsvolle Trails halten einen zudem flexibel und aufmerksam, was der Trittsicherheit in den Bergen sehr zugute kommt.

Trainingspläne kann ich nicht einhalten. Ich habe es häufig versucht. Genauso wenig bin ich jemals einen Wettkampf gelaufen. Ich laufe nur für mich, wann und wie ich will, im Schnitt zwei bis vier mal in der Woche. Da ich meine Kindheit und Jugend leider nicht im Leichtathletikkader, in der Ballettschule oder im örtlichen DAV-Zentrum verbracht habe – sondern lieber chillen war, habe ich muskuläre Defizite, von bösen Zungen auch Haltungsschäden genannt. Ich versuche dem durch Stütz- und Eigengewichtübungen entgegenzuwirken. Mit dem fragwürdigen Ergebnis, dass ich zwar stärker, aber nicht unbedingt gerader werde… Dafür investiere ich immerhin durchschnittlich vier Mal wöchentlich 30 Minuten.

Kontinuierliches Training findet in meinem Alltag statt. Ständig jongliere ich mit meinen Kindern, also immerhin mit 11Kg und 18Kg im Moment. Oder ich kümmere mich um Feuerholz. Mein Kachelofen heizt das ganze Haus, schluckt aber auch ordentlich Raummeter. Ich bringe die Kinder morgens vom Dorf mit dem Fahrradanhänger in den Kindergarten in der Stadt und komme so immerhin auf knapp zwanzig Fahrradkilometer täglich. An den Wochenenden bin ich fast immer mit den Kindern im Wald und trage die Kleinste dabei in der Kraxe auf dem Rücken. Die letzten zwei Monate vor Abreise gehe ich zweimal in der Woche mit einem 20kg schweren Rucksack auf möglichst abwechslungs- und höhenmeterreicher Strecke zur Arbeit (10km one way).

Ob andere das jetzt professionelle Vorbereitung nennen oder nicht ist mir ladde. Körperliche Schwächen gleiche ich durch mentale Stärke aus. Ich weiß wirklich, worauf ich mich einlasse. Ich kenne Land und Leute und habe schon viele schwierige Bedingungen auf Expeditionen meistern können. Das gibt mir Sicherheit.

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