Ratten, Wurm und Wiedersehen
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Wieder vereint: Ich bin mit dem Flugzeug nach Tumlingtar, einem kleinen Ort auf 400m im unteren Arun Tal, geflogen und von da mit einem Jeep in “nur” vier Stunden die 55km hinauf nach Num gefahren. Nach einer Übernachtung in einem Sherpa Haus wollte ich den Jungs am nächsten Tag entgegen gehen, um dann mit ihnen gemeinsam in einem schönen Dorf unser letztes gemeinsames Chicken-Curry essen (#9!).

Ich habe mich nämlich in der Zwischenzeit entschlossen das Projekt zu beenden. Der Versuch, die Highroute des Great Himalaya Trails im Winter zu gehen, ist gescheitert.

Meine Erkrankung bedeutete zunächst ja nur ein “Timeout” für mich. Das Projekt lief weiter. Doch die Verhältnisse in der Makalu-Region und das nun zunehmend unsichere Wetter ließen die vor uns liegenden Etappen über die höchsten Pässe und vergletscherten Regionen nicht zu.

Ein Ausweichen auf den Lower Great Himalaya Trail wäre zwar möglich gewesen. Aber das war nicht der Grund, weswegen wir gekommen sind. Bilder aus den braunen, aber schneefreien Bereichen zwischen 2000m und 3000m haben wir zuhauf. Es hat nicht sein sollen.

Ich habe mich damit abgefunden. Irgendwie war der Wurm drin; und leider setzte sich meine Pechsträne auch noch immer fort… Ich hatte mich mit der Crew zum Lunch verabredet und wartete nun seit 12 Uhr mittags schon vier Stunden auf ihr Auftauchen. Glücklicherweise kriegte mein nepalesisches Handy um 16 Uhr auf einmal eine Netzverbindung. Ich rief Funuru in Kathmandu an, um herauszufinden, was los war, denn Pembas Nummer funktionierte hier ebenfalls nicht.

Es stellte sich ziemlich schnell heraus, dass ich ins falsche Dorf gelaufen war. Cheduwa und Shinuwa hören sich zwar ähnlich an, befinden sich aber weit voneinander entfernt… Natürlich war mein Dorf nicht leicht erreichbar. Satte 1000m runter und auf der anderen Seite wieder rauf. Im dunkeln nochmal dasselbe zurück? Und dann noch weiter -nein! Also blieb ich in Cheduwa alleine bei einer netten Sherpa Familie und verabredete mich mit der Crew zum morgigen Mittag wieder in Num.

Wars das mit dem Pech? Keine zwanzig Sekunden nachdem ich mein Licht ausgemacht hatte hörte ich die ersten Ratten über mein Zimmerboden huschen. Dann über mir auf schlaff herunterhängende, löchrige Plastikplane die über meinem Bett an die Decke genagelt war. Das war mir zu viel. Ich packte meine Sachen und legte mich einfach in den Garten und schaute mir ein letztes Mal intensiv den wunderschönen Himalaya Sternenhimmel an. Ein Hund legte sich an meine Füße und wir beiden schliefen gemütlich ein.

Am nächsten Morgen erklärte ich dem verduzten Lodgebesitzer, dass ich keine Memme sei sondern wir “in our European culture are all very scared of rats, same like snakes, because some hundred years ago many many people died due to some diseases which came with the rats.” Das war nachvollziehbar für ihn, daraufhin stellte er mir als eine Art Entschuldigung gleich zwei starke Becher Kaffee hin.

Für den Rückweg brauchte ich nur 3:10h anstatt 3:45h vom Vortag. Genug Zeit, um mich mit zwei Eimern kalten Wasser abzuduschen. Dann wartete ich wieder auf die Jungs. Warten habe ich wirklich gelernt. Das meine ich ernst und sehr positiv, ich bin, glaube ich, deutlich geduldiger geworden auf dieser Reise. Ein wertvoller Nebeneffekt!

Kurz nach Zwölf kamen dann auch Dafuri und Ang Dawa ums Eck und lotsten mich in die Kaschemme, die sie für die geeignetste hielten. Sie hatten sich, typisch Guides, sauber eingekleidet und frisch gewaschen, aber auf ihren Gesichtern lag Müdigkeit. In die Müdigkeit mischte sich bald Freude, als ich von meiner Ratten-Nacht erzählte und ich durchblicken ließ, dass auch nach vorzeitigem Abbruch die vollen Tage ausbezahle.

Wir charterten den nächstbesten Jeep und holperten diesmal mit den neuesten (und grauenvollsten) RnB Mixes von Ang Dawa beschallt noch am gleichen Nachmittag zurück nach Tumlingtar. Am nächsten Tag flog tatsächlich ein Flieger nach Kathmandu und so feierten wir am 02.01.2017 in Thamel unseren “very unsuccesful, but trying is best, trek attempt”. Ein Resümee aus Deutschland folgt in Kürze.

1 Kommentar

13.02.2017

Wo bleibt Resümee oder Epilog?

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